Schlechte Laune: Wieso wir nicht ständig fröhlich sein können

Schlechte Laune: Wieso wir nicht ständig fröhlich sein können

Wir alle kennen sie: Die Tage, an denen nichts zu funktionieren und das Leben ausschließlich aus Problemen und Hindernissen zu bestehen scheint. Tage, von denen man sich morgens schon wünscht, sie wären endlich vorbei. Und diese pauschale Aussage treffe ich nicht, weil es sich so leichter schreiben lässt, sondern weil sie stimmt:

Tatsächlich trägt jede*r von uns diesen Hang zur Negativität in sich – einfach, weil sich Pessimismus evolutionär bewährt hat. Um überleben zu können, müssen wir auf mögliche Gefahren und Bedrohungen achten. Auch wenn die Risiken, denen wir heute im Alltag begegnen, meist nicht lebensbedrohlicher Natur sind, pendelt sich das Gehirn dennoch immer wieder in einen Zustand der Unzufriedenheit ein. Denn der bringt uns voran: Er motiviert uns immer wieder zu Kreativität und Weiterentwicklung.

Es ist also von der Natur vorgesehen, dass schlechte Laune phasenweise auftritt – und die Gründe dafür sind grenzenlos. Unsere Stimmungen und Emotionen werden von vielen verschiedenen Umständen beeinflusst:

1. Biologie

Die Gehirnchemie sowie unsere individuellen genetischen Veranlagungen wirken sich auf die Stimmung aus. Außerdem kann ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern, wie zum Beispiel Serotonin oder Dopamin zu Stimmungsschwankungen führen.

2. Psychologie

Auch unsere inneren Überzeugungen und Muster beeinflussen die Stimmung: Negative Denkweisen, wie Angst, Pessimismus und Selbstkritik führen zu schlechter Laune.

3. Soziale Faktoren

Ob es Probleme in der Partnerschaft, unter Freund*innen oder Kolleg*innen sind, wir unter Einsamkeit, Kränkung oder Ausgrenzung leiden: Wenn es Schwierigkeiten innerhalb sozialer Beziehungen gibt, gibt es meist auch Schwierigkeiten mit unserer Stimmung.

4. Umfeld

Finanzielle Sorgen, gesundheitliche Probleme, belastende Situationen im Job, in der Uni oder der Familie: Unser unmittelbares Umfeld gleicht einem bunten Potpourri von Stressoren, die uns gerne mal die Laune verderben.

5. Schlicht und ergreifend: das Leben

Und dann sind da noch Faktoren, über die wir (oft) keine Kontrolle haben: Traurige Ereignisse, wie der Verlust eines geliebten Menschen, Erkrankungen und Trennungen, die einfach so passieren – und die Stimmung stark beeinflussen.


Vielleicht erleichtert dich allein schon die Erkenntnis, dass es völlig normal ist, nicht immer fröhlich zu sein. Gefühle sind in ihrer ganzen Bandbreite ein natürlicher Teil unseres Daseins und es ist tatsächlich gesund, sie zuzulassen – ob positiv oder negativ. Akzeptierst du deine schlechte Laune, wirst du gelassener. Versuchst du sie herunterzuschlucken führt das zu noch mehr Stress (und der kann letztendlich sogar krank machen).

Schlechte Laune als Warnsignal und "Hilfe"

Plus: Schlechte Laune will eigentlich nur dein Bestes. Sie tritt meist im Zusammenhang mit Stress beziehungsweise Überforderung auf und will dich darauf aufmerksam machen, dass gerade etwas nicht stimmt. Du kannst dich auf Spurensuche begeben, indem du dich fragst „Wieso fühle ich mich gerade schlecht?“ oder „Was fehlt mir genau?“. Kennst du den Grund für deine miese Stimmung, ist sie oft nur noch halb so schlimm und du wirst leichter eine Lösung finden.

Bist du nicht gut drauf, bringt das übrigens noch weitere Vorteile mit sich: Denn schlecht gelaunte Menschen sind wesentlich besser im analytischen Denken, besitzen eine größere Überzeugungskraft, sind produktiver, konzentrierter, kritischer und machen weniger Fehler. Kurbelt schlechte Laune auf der Arbeit also die Wirtschaft an? Auf diese hochakademische Frage habe ich leider keine Antwort. Fakt ist aber: Schlechte Laune hilft dir dabei, dich schneller an neue Umstände anzupassen beziehungsweise dich aus unbefriedigenden Situationen zu befreien.

Hast du mal schlechte Laune, kannst du das den Menschen in deinem Umfeld mitteilen, damit ihnen die Möglichkeit bleibt, Rücksicht auf dich zu nehmen. Natürlich ist es immer wichtig, dir selbst und deinen Mitmenschen gegenüber einfühlsam zu sein – und nach Unterstützung zu fragen, wenn du sie brauchst.

Sollte deine schlechte Laune ohne ersichtlichen Grund länger anhalten, sich sogar negativ auf dein Leben auswirken, kannst du das mit deinem Hausarzt, deiner Hausärztin oder einer dir vertrauten Person besprechen.

Und bis dahin: Hab einen guten Tag! Oder auch nicht. Beides kann passieren und ist ganz normal. 🤓

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